Tschechen und Türken: Gemeinsame Interessen auf dem Balkan

Tschechen und Türken: Gemeinsame Interessen auf dem Balkan

Tschechen und Türken: Gemeinsame Interessen auf dem Balkan

Die Türkei und Tschechien pflegen schon immer eine freundschaftliche Beziehung. Die Türkei anerkannte die tschechische Unabhängigkeit kurz nachdem sie proklamiert wurde. Ebenso unterstützte die Türkei die tschechische NATO Mitgliedschaft. Handkehrum reflektiert die tschechische Unterstützung der Türkei in ihr Bestreben ein EU-Mitgliedschaft zu werden, die guten Beziehungen dieser beiden Länder.

Ferner beweist dieser Umstand, dass die Türkei sich der Bedeutung der Tschechischen Republik für die NATO und für den europäischen Kontinent in Bezug auf die Sicherheit bewusst ist. Gleichzeitig kennt Tschechien die geopolitische Wichtigkeit der Türkei an, welche sowohl einen grossen Einfluss auf den Kaukasus, den Nahen Osten, Zentralasien als auch auf dem Balkan hat.

Einer der Gründe, der diesen grossen Einfluss ersichtlich macht, ist die historische und kulturelle Identität, die insbesondere auch auf dem Balkan wirkt, wo die Türkei enge Beziehungen pflegt auf Grund der Vergangenheit.  In Anbetracht dieser, hat der Balkan eine Sonderstellung in der türkischen Aussenpolitik. Überdies hat die Türkei immer die Balkan-Staaten in Bezug auf eine EU-Mitgliedschaft unterstützt und hat beispielweise versucht als Vermittler zwischen Serbien und dem Kosovo zu wirken. Zusätzlich ist die Balkanhalbinsel in einer geopolitischen Situation, wo die Visegrád-Gruppe Einfluss hat. Diese geopolitische Situation ist in diesem Sinne ein Gebiet zwischen der Türkei und den Visegrád-Staaten.

Im Nachspiel der Ukraine-Krise ist die Stellung der Balkanhalbinsel in einer delikateren Situation übergegangen. Die Instabilität auf dem Balkan hat Potential, um auf die Türkei und auf Mittelosteuropa zurückzustrahlen. Dies beinhaltet ein Gefahrenpotential für die Türkei und Tschechien, obgleich bisher viele Versuche für die regionale Kooperation initiiert wurden, sind diese ohne grosse Wirkung geblieben. Im Kontext einer neuen Bewegung, welche sich zwischen der Türkei, der Visegrád-Gruppe und den Balkanstaaten etablieren könnte, könnte sich eine Verbesserung der Kooperation ergeben.

Um solch eine Bewegung  zu etablieren sollten es Treffen, zum Beispiel, in Prag, Ankara und in den Hauptstädten des Balkans geben. Die Türkei und die Tschechische Republik sollten Pionierarbeit für solch eine Initiative leisten. Des Weiteren ist es für die Türkei bedeutend, dass freundschaftliche Beziehungen zu den Visegrád-Staaten bestehen, um einen Prozess in diese Art zu ermöglichen.

Die gemeinsamen Bemühungen für eine Stabilität auf dem  Balkan wird ausserdem die Integration der Energieströmungen, wie die Transanatolische Pipeline (TANAP) über den Balkan in die Visegrád-Staaten beschleunigen. Dies wird eine Erhöhung der ökonomischen Integration zwischen der Türkei, Mittelosteuropa und Südosteuropa möglich machen. Der Erfolg dieses Prozesses wird mittel- und langfristig in einen Erfolg münden.

Einer der mittelfristigen Auswirkungen ist die Unterstützung der Integration der Ukraine mit den gemeinsamen Bemühungen der Türkei, der Visegrád-Gruppe und den Balkanstaaten. Langfristig, infolge der Ähnlichkeiten zwischen dem Balkan und dem Kaukasus in Bezug auf die Konflikte und ethnischen Unterschiede, wird eine erfolgreiche sub-regionale Integration auf dem  Balkan (wie bei der Visegrád-Gruppe) in Zukunft auch – auf Basis einer Integrationsinitiative unter Führung der EU und der Türkei – eine Auswirkung im Südkaukasus haben.

Ümit Nazmi Hazır

Ümit Nazmi Hazır machte seine Bachelor- und Masterabschlüsse in Internationalen Beziehungen an den Ege und Hacettepe Universitäten in der Türkei. Zudem studierte er, als ERASMUS-Student, ein Jahr an der WSAP Public Administration University in Polen. Des Weiteren studierte er für ein Jahr Russisch an der Russian State University for Humanities in Moskau. Er betreibt allgemein seine Forschung in Bezug auf Eurasien und der Türkischen Aussenpolitik. Er ist momentan am Center for Caucasus Strategic Research in Ankara als Experte tätig.

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