Als sich der Lauf der Geschichte Albaniens änderte

Als sich der Lauf der Geschichte Albaniens änderte

Als sich der Lauf der Geschichte Albaniens änderte

Im Jahr 2009 kürte das albanische Parlament den 8. Dezember zum National Jugendtag um die Erinnerung der Studentenbewegung der 90er Jahre zu verewigen.

Das Ende des Kalten Krieges, symbolisiert durch den Fall der Berliner Mauer im November 1989, führte zum demokratischen Wandel in den kommunistischen Ländern Europas. Ein besonders unterdrückerischer Staat, der zu dieser Gruppe gehörte, war Albanien: Wirtschaftlich isoliert und ohne eine demokratisch-politische Kultur. Nur wenige glaubten, dass dieses Land in der Lage sei, den Übergang zu einer stabilen und einer blühenden Demokratie erfolgreich zu meistern.

Unter der Herrschaft von Enver Hoxha von 1944 bis zum seinem Tod im Jahr 1985 erlebte Albanien ein strenges stalinistisches Regime, die längste und fantastischste jener Zeit. Albanien wurde von Armut geplagt und durch grenzumringende Stacheldrahtmauern und zehntausende Bunker vom Rest Europas regelrecht abgezäunt. Hinzu kamen die angenommene Zentralplanung der UdSSR, ein System, welches nur noch von China bis zum Jahr 1962 weitergeführt wurde. Abgeschirmt vom Westen, berief sich das Hoxha Regime auf eine autarkische Politik welche die Wirtschaftsentwicklung stark beschädigte. Die bedrückenden Umstände führten schliesslich zu den Ereignissen im Dezember 1990.

Am Schicksalstag 8. Dezember erhoben sich Studenten der Universität Tirana gegen das Regime, boykottierten Seminare und Vorlesungen und protestierten. Mit dem Slogan „Wir wollen ein Albanien wie Europa“ schlugen die Studenten mit der Unterstützung ihrer Professoren ein neues Kapitel auf. Ihre Forderung: Eine freie Gesellschaft, offen und gleich für alle. Dazu kamen ein westliches demokratisches System mit allen Einrichtungen, eine Marktwirtschaft, Meinungsfreiheit so wie Menschen- und politische Rechte. Ihr genaues Ziel war es, den Weg zur Rechtsstaatlichkeit zu ebnen.

Zwei Tage später trafen sich eine Studentendelegation geführt von Azem Hajdari mit dem damaligen Präsidenten Ramiz Alia im Palast der Brigaden. Dieses Treffen entstand nicht aus etwa aus dem guten Menschenglauben des Regimes, sondern wurde den Machthabern eher aufgezwungen, da die Studentenbewegung landesweit und Schwung gekommen war und der nationale sowie internationale Druck an Gewicht zunahm. Alia blieb nichts Anderes übrig als die Demokratiebewegung anzuerkennen und den Wunsch nach politischem Pluralismus in Albanien anzunehmen.

Deren Etablierung und der Fall des kommunistischen Regimes 1990 markierte den Anfang einer neuen Ära für Albanien: Ein Neubeginn für den Wandel von Kommunismus zur Demokratie.

26 Jahre nach dem Kommunismus

26 Jahre später, der tiefkommunistische Staat der eine Gefährdung für die Freiheit und Demokratie nicht nur für die Albaner aber für die ganze Region darstellte, ist nun für immer Geschichte. Das Land erlebte einen großen Wandel. Alles schien auf den Kopf gestellt: Zuerst der Zerfall des Staates, dann eine Phase der Anarchie im Jahre 1997, das Pyramidenspiel ohne Stabilität sowie ihre eigene Flüchtlingskrise. Dazu kamen noch zwei große Probleme der wirtschaftlichen Veränderung: Wie kann man den Wandel von einer Plan- in eine Marktwirtschaft erfolgreich schaffen? Und wie kann man sich in der internationalen Welt der Globalisierung direkt nach dem Kalten Krieg behaupten?

Nach 26 Jahren findet das Umdenken nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in den Köpfen der Bevölkerung statt. Die Sozialmentalität hat sich weiterentwickelt, obwohl eine gewisse Politisierung vor der Zivilgesellschaft nicht Halt machen konnte. Der Weg zu einer fungierenden und starken Zivilgesellschaft ist weiterhin under construction.

26 Jahre später ist es Albanien gelungen, staatliche Einrichtungen aufzubauen, um das Fundament für einen demokratischen, modernen, marktorientierten Sozialstaat zu legen. Dabei gibt es noch viele Ziele, denn obwohl es das Land geschafft hat, die Mitgliedschaft in vielen internationalen Organisationen für sich zu gewinnen, bleibt das goldene Ticket als EU-Mitgliedstaat noch aus. Die Herausforderung dabei ist, die erforderliche Kultur sowie den nötigen Esprit in die albanischen Einrichtungen rein zu hauchen, um der Weiterentwicklung des Staates weiterhin Elan zu verleihen. Politik und die Medien spielen hier eine wichtige Rolle: Wie können diese effektiv und korrekt angewendet werden, um das geeignete Klima für weitere positive Veränderungen zu sichern?

Seit 26 Jahren ist die Medienlandschaft im konstanten Wandel. Anders als in anderen Nachbarländern führten die politischen Veränderungen 1990 zu einem Ende des staatlichen Medienmonopols und einer dringend nötigen Etablierung eines Medienmarkts. Obwohl sich die Pressefreiheit seit dem Fall des Kommunismus sichtlich verbessert hat und auch juristisch garantiert ist, herrschen weiterhin Probleme. Die Verflechtung starker wirtschaftlicher, politischer und medialen Interessen beeinflusst die Weiterentwicklung einer eigenständigen und objektiven Berichterstattung.

Heute ist Albanien ein NATO Mitglied und hat oft signalisiert, dass es auch zur weiteren europäischen Familie dazugehören will. Obwohl in erster Linie die Etablierung staatlicher Organe eine absolute Priorität war, ist das Ziel EU weiterhin vor Augen.

Der Weg zu einer soliden und starken Demokratie ist lang und schwierig. Um erfolgreich zu sein braucht Albanien politische Kompromisse, Toleranz in der politischen Kommunikation, sowie eine gemeinsame Agenda zur Integration. Dennoch, am Ende ist vor allem eines wichtig: Weise und visionäre Politiker. [1]

 

References:

  1. Biberaj, Elez. 1998. Albania in Transition: The Rocky Road to Democracy. Boulder, Colorado: Westview Press.
  2. Gjergji, Elda. 2011. The Albanian transition to Democracy as a path to European Integration (during the years 1990 – 2000).
  3. Roaf,J; Atoyan, R; Joshi, B; Krogulski, K. 2014. Twenty five Years of Transition Post-Communist Europe and the IMF.
  4. http://www.oranews.tv/vendi/krasniqi-shteti-injoroi-8-dhjetorin-pd-testoi-strukturat-para-zgjedhjeve/
  5. Muco, M. 1997. ECONOMIC TRANSITION IN ALBANIA: POLITICAL CONSTRAINTS AND MENTALITY BARRIERS.
  6. Tamo, A; Baka, B; Gjokutaj, E. 2011. Social Trust & Institutional Authority in the Albanian Democracy.
  7. Londo, I. 2012 Major Trends of Media Development During Post-Communist Transition.
  8. Albert. 2015. Albania Twenty Years After: People on State and Democracy.  http://www.aiis-albania.org/?q=node/144

[1] http://www.oranews.tv/vendi/krasniqi-shteti-injoroi-8-dhjetorin-pd-testoi-strukturat-para-zgjedhjeve/

R. Kaja

Riselda Kaja, geboren in Durres/ Albanien, machte ihren Abschluss in Bank- und Finanzwesen an der Aleksander Moisiu Universität in Durres. Seit 2015 arbeitet sie an ihrem MBA in Allgemeinen Finanzen an der Staffordshire Universität und ist zudem als Fachlehrerin in Mikro- und Makroökonomie tätig.

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