Einführung zu Protestbewegungen in Südosteuropa

Einführung zu Protestbewegungen in Südosteuropa

Einführung zu Protestbewegungen in Südosteuropa

Die Region des südöstlichen Europas, oft auch als Balkan bezeichnet, war seit dem Fall der autoritär geführten kommunistischen/sozialistischen Systeme ein fortwährender Schauplatz für Proteste. Noch in Erinnerung sind vielleicht die straßenfüllenden Massen, die zum Fall Ceaușescus in Rumänien oder zum Niedergang Miloševićs in Serbien geführt haben. Die politischen und sozialen Probleme der Region sind auch heute noch weitreichend, wie u.a. am stockenden EU-Integrationsprozess sichtbar wird. Der Südosten Europas ist in vielen Teilen geprägt durch informelle Machtstrukturen, Klientelismus, Korruption und „starke Männer“ in Führungspositionen – ein genereller Kontext, der einen fruchtbaren Boden für Protestbewegungen, sofern geduldet, bildet.

Straßendemonstrationen sind jedoch nur eine Ausdrucksform des Widerstandes gegen die Obrigkeit. Protest kann sich als sehr vielschichtig und divers präsentieren, zumal auch Internet und Social Media hierbei eine immer bedeutendere Rolle einnehmen. Auch können andere Formen wie Kunst, Musik und Graffiti sowie finanzielle Unterstützung, Informationsverbreitung oder aktive Partizipationsverweigerung eine Resistenz zum Ausdruck bringen. Zusätzlich haben die einzelnen Gesellschaften der Region einen unterschiedlichen Umgang mit Protesten: Die einen sind protestfreudiger, die anderen schwerer auf die Straße zu bringen. Protestbewegungen können verschiedene Ziele verfolgen und dadurch naturgemäß unterschiedlich viele Menschen mobilisieren. Wenn auch der Begriff breit gefächert ist und Interpretationsspielraum zulässt, kommt der von verschiedenartigen Interessen geleiteten Zivilgesellschaft eine entscheidende Rolle zu.

Diese Serie über Proteste in Südosteuropa (teils auch in Osteuropa) wird sich mit zeitnahen Ereignissen beschäftigen und wöchentlich erscheinen. Dabei werden nicht nur einzelne Bewegungen und deren Protestformen vorgestellt, sondern auch der Umgang der politischen Eliten mit diesem Thema analysiert. Die Bandbreite an möglichen Exempel in diesem Blog ist groß: Beispiele können von Slowenien bis nach Griechenland und von Albanien bis in die Republik Moldova reichen. Einzelne Protestbewegungen sollen dabei hervorgehoben und skizziert werden, und für alle, deren Interesse noch tiefer geht, werden weiterführende Literatur und Links angeboten.

Protest ist gleichzeitig immer mit Aktivsein konnotiert. Und darum erhoffen wir uns auch eine aktive Teilnahme der Leser und Leserinnen dieses Blogs. Ihr seid Teil einer Bewegung, die ihr gerne vorstellen würdet? Ihr habt von einem Protest gehört, der sich mehr Aufmerksamkeit – besonders im deutschsprachigen Raum – verdient? Ihr seid zufällig an einer Demo vorbeigekommen und habt ein Foto geschossen? Dann meldet euch bei uns und schickt uns eure Informationen, oder verfasst am besten gleich selbst einen kurzen Text und ein paar Gedanken dazu. Wir freuen uns auf eure Beiträge!

J. Pranzl

Joachim Pranzl – Student, der gerne mal weggeht, um dann auch wieder nach Hause zurückzukehren. Zivildienst in Rumänien brachte das Interesse für Südosteuropa und die Schwarzmeerregion. Geschichte-BA an der Uni Wien, zurzeit in Gedanken bei Abschlussarbeiten für die MA-Studien Southeastern European Studies und Geschichte an der Uni Graz. Zwischendurch mal längere und mal kürzere Aufenthalte in diversen Ländern, zuletzt ein Jahr in Belgrad. Interessiert sich für geschichtliche und politische Prozesse. Kritisiert auch mal gerne, denn kritisieren ist immer leichter als selber machen.

Related Articles

Leave a Reply

Close