"Der Balkan braucht Europa mehr den je"

"Der Balkan braucht Europa mehr den je"

“Der Balkan braucht Europa mehr den je”

“Der Balkan braucht Europa mehr den je, aber Europa hat den Balkan auch noch nie so sehr gebraucht wie jetzt.”

Gjirokaster - Mit diesen, bis zu einem gewissen Maß rührenden Worten, eröffnete am Samstag, dem Europatag, der albanische Ministerpräsident seine Rede bei der anläßlich in Gjirokastra organisierten Veranstaltung. Der berühmte albanische, mehrmals Literaturnobelpreis nominierte, Schriftsteller Ismail Kadare, nannte sie “die schiefe Stadt” aufgrund ihrer Erstreckung auf dem Berg. Dass es gerade die Stadt geworden ist, kommt einem Zufall zu gute als quasi eine Metapher zur “schiefen” Situation in Europa.

Albaniens Regierungschef erklärte seinen Standpunkt gegenüber der momentanen Situation in Europa folgendermaßen: “Wir befinden uns im Moment auf einer Kreuzung - die erfolgreichste Union in der Ländergeschichte - befindet sich auf einer Kreuzung. In Frankreich wo gerade die Präsidentschaftswahlen stattfinden, ist es so weit. Dort wird zwischen zwei Alternativen gewählt die nicht konträrer sein hätten können. Die eine sehr visionär für eine gemeinsame und bessere Zukunft für Europa und die andere völlig indoktriniert und die einen 400-jährigen Rückschritt in der Geschichte bedeutet. Ich hoffe, dass Frankreich für eine Bestätigung von Europa, welche wir haben wollen, sprechen wird. Nichtsdestotrotz, alleine schon die Tatsache, dass es eine zweite zerstörerische Alternative gibt, die vielleicht von Millionen ausgewählt wird, bringt ein großes Fragezeichen für die Zukunft der EU mit sich.”

Die europäische Union sei kein perfektes Konstrukt, aber Rama zähle sich zu den Personen die an die Idee stark glauben wollen und die nie aufhören werden daran zu arbeiten. Dass Europa in einer kriegsfreien Generation lebt, sei seiner Meinung nach nur der europäischen Union zu verdanken. Trotzdem werde es heute klarer den je, dass das Errichten von Mauern und Grenzen in Europa keine Alternative seien kann, denn Europa habe lange genug Mauern aufgestellt und die daraus entstandenen Enttäuschungen und Wunden spektakulär und schmerzhaft erlebt, so der Premier weiter.

Laut Rama, wurde die Balkan-Region immer als ein explosives Faß, auf dem Europa sitzt angesehen, und gerade deshalb braucht der Balkan Europa unabdingbar. “Wir befinden uns gerade in einer neuen Phase für die diplomatischen Beziehungen. Der Balkan braucht Europa mehr denn je, aber Europa hat den Balkan auch noch nie so sehr gebraucht wie jetzt.”

Nachdem er die momentane Situation in Albanien darstellte, meinte der albanische Premier, dass auch Albanien sich auf einer Kreuzung befinde, die aber Richtung Europa gehen solle, weil ohne der Hilfe Europas einen Rechtsstaat aufzubauen, Albanien es niemals alleine schaffen würde. Trotz der Schwierigkeiten, Widerstände und des steinigen Weges, sowie der Barriere die zwischen Albanien und dem Aufbau eines konsolidierten Rechtsstaates stehe, können wir uns sicher sein, dass die Zukunft triumphieren wird und keineswegs die Vergangenheit. Es sei die Zeit gekommen die Vergangenheit hinter sich zu lassen!

Die Last der Vergangenheit im Balkan wiegt sehr schwer, und ist laut Rama gerade in dieser Region, am schwersten unter den ex-kommunistischen Ländern, deshalb wären jegliche Annäherungsversuche und Schritte in Richtung Europa, gleichzeitig Versuche sich von der Vergangenheit abzulösen. Das sei einer der größten Herausforderungen, Europa ein Stück näher zu kommen und er hoffe, dass das Ganze mit Menschlichkeit und Weisheit überstanden werden kann. Ebenso sei dies wichtig für die anstehenden albanischen Wahlen und für die Innenpolitik.

“Die Qualität einer Demokratie misst man nicht daran, wie viele Menschen einstimmig sind, sondern wie die Menschen die Uneinstimmigkeit miteinander erleben. Am 18. Juni werden Albaner sicher eine sehr starke Botschaft an Europa senden, weil der einzige Weg der sie dahin bringen kann, die Reformen sind. Sie werden Albanien zu einem europäischen Land machen, allerdings werden sie noch einige Zeit in Anspruch nehmen.”

Ein paar wahre Worte sprach abschließend die in der Veranstaltung anwesende EU-Ambassadorin in Tirana Romana Vlahuti: “Es ist sehr einfach zu zerstören, jeder kann das, aber wir brauchen eine riesen Portion Mut, Entscheidungen zu treffen wovon alle profitieren können. Ich bin zuversichtlich, dass eine neue Ära anschlagen wird, die einen Beitritt in der EU ermöglicht. Ihr habt innerhalb der letzen 25 Jahre viel erreicht und ebenso vieles reformiert. Am aller wichtigsten jedoch war die Justizreform...Ihr werdet nicht nur Mitglied, sondern auch immer gute Freunde der EU sein, und guten Freunden sagt man die Wahrheit, egal ob diese süß oder bitter ist. Die Wahl ist eure, aber auch die Verantwortung,” betonte letzlich Vlahuti.

Übersetzt aus dem Albanischen

(Original Text: https://www.ata.gov.al/rama-ballkani-ka-sot-me-shume-se-kurre-me-pare-nevoje-per-europen)

M. Ostermann

Migena Ostermann verfügt über einen Masterabschluss der Universität Wien in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Sie engagierte sich schon in sehr jungen Jahren für verschiedene Organisationen und der politischen Integration im Allgemeinen. Bei FOMOSO ist sie deshalb, weil sie sehr gerne in der Förderung des Dialogs zwischen den MOSO-Ländern und Westeuropa beitragen möchte. Unter Paul Watzlawicks Motto "Man kann nicht nicht kommunizieren.” - möchte sie mit besseren Kommunikation helfen ein Stück weiter zusammen zu wachsen.

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