Ein Appell an die korrekte Schreibweise slawisch-sprachiger Namen

Ein Appell an die korrekte Schreibweise slawisch-sprachiger Namen

Ein Appell an die korrekte Schreibweise slawisch-sprachiger Namen

Als großer Fußballfan konsumiere ich alles, was es dazu an medialem Angebot gibt: Live-Übertragungen, Berichterstattung, Print- und Onlinemedien, sowie Podcasts. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass die korrekte Schreibweise slawisch-sprachiger Namen besonders oft unter den Tisch fällt. Sei es aus Bequemlichkeit, Ignoranz oder schlichter Unwissenheit. Im Folgenden möchte ich die Problematik anhand des Buchstaben ć erläutern, der oft als Namensendung vorkommt (z. B. Modrić).

In den slawischen Sprachen spielen Striche und Hütchen (sog. Diakritische Zeichen) eine wichtige Rolle bei der Bildung von Buchstaben. So auch beim ć, das wie das tch im engl. „witch“ oder das c im ital. „ciao“ ausgesprochen wird. Für die richtige Schreib- und Aussprache eines Namens ist es daher wichtig, auf die richtige Zeichensetzung zu achten.

Grundsätzlich ist mir aufgefallen, dass unter Sportjournalisten und Fußballkommentatoren grundsätzlich die Namen der Spieler richtig ausgesprochen werden, in Print- und Onlinemedien aber auf den Strich über dem c größtenteils vergessen wird. Das ist deshalb problematisch, da dadurch die betreffenden Namen mit c (das wie „ts“ ausgesprochen wird) anstatt des ć geschrieben werden.

Diese fehlerhafte Schreibweise bedeutet nicht nur für den Journalismus ein Armutszeugnis, sondern auch für die Leserschaft ein Hemmnis. So kommt es immer wieder vor, dass Personen, die nicht vom Fach sind, die Spielernamen falsch ablesen. Das passiert auch oder gerade dann, wenn man mit der richtigen Aussprache slawischer Namen vertraut ist und nur aufgrund der falschen Schreibweise zu verfälschter Aussprache verleitet wird.

Leider findet sich die falsche Schreibweise auch auf den eigenen Instagram Profilen oder der Vereinswebsite, so z. B. beim serbischen Profi Filip Kostić von Eintracht Frankfurt. Qualitätsmedien wie der deutsche „Kicker“ oder der schweizer „Blick“ schreiben konsequent falsch von „Filip Kostic“, „Luka Jovic“ oder „Ermedin Demirovic“.[1] In der deutschen Bundesliga sticht als ein positives Beispiel der sehr professionell geführte FC Bayern München hervor, der auf seiner Vereinswebsite alle Spielernamen in korrekter Schreibweise anführt und verwendet. Als Österreicher muss ich peinlicherweise eingestehen, dass auch der ÖFB es nicht vermag, seine Nationalspieler, allen voran Marko Arnautović, auf seiner Website adäquat aufzuführen. Im Gegensatz zu Bayern München wird beim österreichischen Nationalteam auch bei der Beflockung der Trikots an den benannten Stellen gespart.

Woher kommt nun aber diese fast durchgehend inkorrekte Schreibweise der Namen?

Wie bereits angesprochen ergibt sich eine falsche Aussprache oft aus der falschen Schreibweise. Im Fußballgeschäft ist man branchenintern aber ziemlich sattelfest, was die Aussprache der Spielernamen betrifft. Auch den Verfassern der Print- und Onlinemedien ist sie sicherlich eine Selbstverständlichkeit. Diese Selbstverständlichkeit gepaart mit einer gewissen Bequemlichkeit beim Umgang mit Sonderzeichen, könnte ein Grund sein, warum das ć konsequent als c geschrieben wird. Nach dem Motto: Wenn jeder weiß, wie der Name ausgesprochen wird, dann ist es ja egal, ob da jetzt auf dem c noch ein Strich darüber ist oder nicht. Was mich in dieser Hinsicht irritiert ist, dass bei der Schreibweise spanischer, italienischer oder französischer Namen sehr wohl genau darauf geachtet wird, wo Akzente gesetzt werden müssen. Sicher, es ist auf unseren deutschsprachigen Tastaturen einfacher, den Akzent über a und e zu setzen, als das ć unter den Symbolen zu suchen. Aber solche technischen „Hindernisse“ und Bequemlichkeiten dürfen nicht als Ausrede gelten, denn am Ende des Tages muss man sich dann als möglichen Grund auch den der Ignoranz gefallen lassen.

[1] Kicker: https://www.kicker.de/780548/artikel (zuletzt aufgerufen am 01.09.2020); Blick: https://www.blick.ch/sport/fussball/superleague/tauziehen-um-fcsg-knipser-erste-entscheidung-bei-demirovic-gefallen-id15928881.html (zuletzt aufgerufen am 01.09.2020)

M. Haderer

Michael Haderer studiert derzeit Geschichte, Politikwissenschaften und Hungarologie an der Universität Wien. In seinem Studium hat er sich selbst den Schwerpunkt auf Mittelost- und Südosteuropa gelegt. Aus Österreich stammend haben Sprach- und private Reisen sein Interesse für MOSO weiter geweckt. Zurzeit ist er als Praktikant bei FOMOSO tätig.

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