Albaniens informelle Wirtschaft

Albaniens informelle Wirtschaft

Albaniens informelle Wirtschaft

Der informelle Sektor hat sich seit den frühen Phasen des Übergangs zur Marktwirtschaft zu einem wichtigen Thema in Albanien entwickelt. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation werden beispielsweise 30% der gesamten Belegschaft im Bausektor informell beschäftigt. Im September 2015 initiierte die Regierung offiziell eine umfangreiche Kampagne gegen die Informalität im Land.

Diese Kampagne war öffentlichen Äusserungen vorausgegangen, die während Juli bis August 2015, basierend auf die Notwendigkeit die Rechtsstaatlichkeit in der wirtschaftlichen Sphäre innerhalb Albaniens vollständig zu etablieren, gemacht wurden.  Dieser Prozess wurde von grossangelegten Steuerüberprüfungen begleitet, mit dem Ziel, die informelle Situation zu überprüfen und das gefolgt von einer Serie von rechtlichen Initiativen.  Die Zahlen, welche von der Regierung veröffentlicht wurden, zeigen ein klarer Indikator für die Dimension von Informalität im Land.

Informalität in Albanien ist vor allem in Form von nicht registrierten Unternehmen, Steuerhinterziehung und informelle Beschäftigung auffindbar. Aber die beunruhigendste Ausprägung von Informalität im steuerlichen Bereich findet man in den kleinen bis grossen Unternehmen, welche rechtlich registriert sind, aber die ihr Profit, ihre Einkommen, Anzahl der Beschäftigung und tatsächliche Entlohnung zu verstecken versuchen. Folgende Geschäftsbereiche vertreten einen grossen Teil, der ausgeprägt auf informelle Wirtschaft beruhen: Handel, Transport, Dienstleistungen (Gastronomie) und im Bau- und Herstellungsbereich.

Die Menschen nehmen informelle Beschäftigung als etwas Legales wahr, aber ein grosser Teil derjenigen, die informell beschäftigt sind, würden gemäss Befragung formelle Anstellungen bevorzugen. Die Menschen haben Angst ihre Arbeit zu verlieren und vor den gefährlichen Arbeitsbedingungen. Es muss hier klargestellt werden, dass solche Unsicherheiten sehr oft in informellen Beschäftigungen vorkommen, da ein Mangel an Rechtssicherheit besteht.

Die Massnahmen, die nun unternommen wurden, sind immer noch ein Diskussionsthema unter Fachleuten, Geschäftsunternehmer, und andere. Ein interessanter Ansatz ist, inwiefern die Ziele der Kampagne, die anvisiert werden, in Verhältnis mit der Effizienz der Regierung zu setzen sind.

Zwischenzeitlich konzentriert sich der Diskurs auf die Ansätze und Mittel (wirtschaftliche Strafen, Anreize, etc.), die benutzt werden, um den privaten Sektor miteinzubeziehen, damit eine Verringerung der ökonomischen Informalität voranschreitet. Es gibt unter den Geschäftsakteuren, die die Regierung in ihrer Kampagne und ihrem Vorhaben unterstützen,  eine allgemeine Konvergenz der Ansichten, dass, obwohl es zum Teil schmerzhaft für Teilen der Bevölkerung sein kann, es trotzdem notwendig ist, damit die die gesamte Wirtschaft des Landes langfristig profitiert.

Zu all dem kommt, dass, während die Haushaltseinkommen, verglichen zur albanischen Wirtschaft, fragil sind, private Sektoren durch schwache öffentliche Dienste entmutigt sind. Ein unzureichende Steuervollzug und schlechte Beziehungen zwischen den erwähnten Bereichen sind Beispiel für diese Schwäche.

Gemäss einem IWF-Bericht ist der Schlüssel für eine Verbesserung des Steuervollzugs in der Effizienz und nicht in der Höhe der Steuern. Folglich muss die Regierung Wege finden, um die öffentliche Wahrnehmung in Bezug auf informelle Wirtschaftsaktivitäten erhöhen und zugleich eine Beziehungsverbesserung zwischen den Steuerzahlern und dem Gemeinwohl einleiten.

Die Aussichten für Fortschritte im Prozess der europäischen Integration allein, sollten der Regierung zusätzliche und sehr wichtige Impulse geben, um mit konkreten Maßnahmen, die Lenkungsversuche zu verstärken und damit die Größe des informellen Markts zu verringern.

R. Kaja

Riselda Kaja, geboren in Durres/ Albanien, machte ihren Abschluss in Bank- und Finanzwesen an der Aleksander Moisiu Universität in Durres. Seit 2015 arbeitet sie an ihrem MBA in Allgemeinen Finanzen an der Staffordshire Universität und ist zudem als Fachlehrerin in Mikro- und Makroökonomie tätig.

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1 Comments

  1. Ermal Ndini
    6. Dezember 2016 at 18:04
    Reply

    Der informelle Sektor, auch Schattenwirtschaft genannt, ist in Albanien, wie auch in anderen Ländern Südosteuropas, zwar nicht durch solide Statistiken erfasst, doch Schätzungen und einzlenen Umfragen zufolge (z.B. von Straßenhändlern) beträgt der Anteil etwa 1/3 des Bruttoinlandsproduktes.
    Zudem umfasst die Schattenwirtschaft größtenteils den Landwirtschaftssektor, in dem die Anzahl der informell Beschäftigten am höchsten ist!

    Der Artikel geht sehr wage auf die Problematik der Schattenwirtschaft in Albanien ein und die darin angeführten Aussagen werden nicht durch Quellen gestützt, was somit den gesamten Inhalt in Frage stellt.
    So ist beispielsweise die Aussage, nach der die Menschen Angst vor einem möglichen Arbeitsverlust und der gefährlichen Arbeitsbedingungen, dennen sie ausgesetzt sind, hätten, stark zu hinterfragen und bedarf einer näheren Erklärung, was mit “gefährlichen Arbeitsbedingungen” und welcher Beschäftigungssektor hierhin gemeint ist.

    So bietet beispielsweise die informelle Beschäftigung Jugendlichen eine Möglichkeit – die ohnehin aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage unbeschäftigt sind – praktische, berufsbezogene Fertigkeiten zu entwickeln. Doch den Sprung in die formelle Wirtschaft schaffen lediglich die besser Qualifizierten. Dies bedeutet, dass niedrigqualifizierte in der Spirale der informellen, durch Unsicherheit gekennzeichneten Wirtschaft verbleiben.

    Die Studie von Boka/Torluccio (2013) ist zum Verständnis über das Ausmaß der informellen Wirtschaft in Albanien sicherlich ein guter Ansatzpunkt und hätte dem vorliegenden Artikel sicherlich eine inhaltlich solide Argumentationsgrundlage verschafft.

    Boka/Torlucci (2013) ‘Informal Economy in Albania’ In Academic Journal of Interdisciplinary Studies, Vol 2 No 8, pp. 212-221.

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