Ukrainische Medienberichte zur Sperre russischer sozialer Netzwerke

Ukrainische Medienberichte zur Sperre russischer sozialer Netzwerke

Ukrainische Medienberichte zur Sperre russischer sozialer Netzwerke

Am 16.05.2017 verfügte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko im Rahmen einer Ausweitung der Sanktionen gegen Russland über eine Sperrung russischer sozialer Netzwerke und Programme wie VKontakte und Kaspersky. Die ukrainischen Medien griffen die Thematik sehr unterschiedlich auf:

Die Nachrichtenplattform UNIAN betonte am 16.05. die Blockade russländischer sozialer Netzwerke als Teil eines wieder bestätigten und erweiterten Sanktionskataloges gegen Russland. Die Sanktionen umfassen somit nicht nur soziale Netzwerke wie VKontakte oder Odnoklassniki, sondern vielmehr auch Internetprovider, E-Mail-Service und sogar das russische Antivirenprogramm Kaspersky. Zudem sollen auch wirtschaftliche Sanktionen gegen die russischen staatlichen TV-Kanäle TV Tsentr, VGTRK, NTV Plus, TNT, REN-TV, Zvesta und Russia Today geplant sein. Im Gegensatz zu den letzten einjährigen Sanktionen sind diese für drei Jahre vorgesehen.[1]

Auch Kyivpost berichtete am 16.05. zu den neuen Sanktionen. Neben der Aufzählung von Hintergrundinformationen ging die Zeitung aber auch auf das wirtschaftliche und soziale Gewicht der sozialen Netzwerke ein. So sei VKontakte das beliebteste soziale Netzwerk in der Ukraine. Yandex, VKontakte und Odnoklassniki seien zudem die führenden Websites der Ukraine (gewesen). Auch die Implikation für die betroffenen sozialen Netzwerke (bzw. Suchmaschinen) wurde betont, da die Ukraine der zweitgrößte Markt für VKontakte sei.[2]

Die Ėkonomičeskaja Pravda (EP) hingegen bezog sich in ihrem Bericht zu den Sanktionen auf die Hintergründe und Motivationen Poroschenkos. Hier könnten laut EP zwei Meinungen entstehen; zum einen trete hier die Ukraine in die Reihe der Staaten Russland, China und Nordkorea, welche ihre Bürger in den sozialen Netzwerken kontrollieren würden. Andererseits aber sei eine Einschränkung russischer „Softpower“, also Medien und Zugriffe auf Bürger über soziale Netzwerke aus Sicht der Ukraine notwendig, da ansonsten Russland eine viel zu starke Einflussmöglichkeit in innere Angelegenheiten geboten werde.[3]

Dahingegen behandelten die Ukrainskaja Pravda und die Evropejskaja Pravda vordergründig die Reaktionen in sozialen Medien und in Europa. Hier wurde besonders in den sozialen Medien deutlich, dass nicht alle Bürger für die politische Entscheidung Verständnis finden. Auch in der europäischen Politik und in der medialen Szene Europas wurde das Ereignis nicht euphorisch aufgenommen. So müsse die EU zuerst überprüfen, wie die Sanktionen im Detail aussehen würden. Einzelpersonen sehen in der Entscheidung Kiews laut Evropejskaja Pravda auch einen Rechtsbruch.[4]

Die Zeitung „Argumenty i fakty“ bezog sich in ihren Berichten zu den Sanktionen am 16. und am 17.05. auf die Reaktionen der betroffenen Unternehmen bzw. auf die Reaktion der Russländischen Föderation. Diese reagierten nicht sehr erfreut über die Sperre und betonten, dass die hier errichteten Sanktionen nicht nur gegen Russland und dessen Unternehmen gerichtet seien, sondern vielmehr auch gegen die unzähligen ukrainischen User, welche nun keinen Kontakt mehr aufnehmen können zu ihren bisherigen Bekanntschaften. Im Vergleich zu UNIAN und Kyivpost ist hier auch ein kritischer Tonfall anzumerken.[5]

All diese verschiedenen Auffassungen und Schwerpunkte bei der Medienberichterstattung zeigen, dass der Mediendiskurs in der Ukraine – trotz der jetzt eingeführten Sanktionen – sehr lebendig ist. Neben den klassischen Informationen zum Ereignis selber berichteten die Medien aus den verschiedensten Blickwinkeln über das Ereignis.

 

[1] UNIAN (2017): Ukraine to block Russia propagandist media, social networks for three years. In: UNIAN, 16.05.2017. Online verfügbar unter https://www.unian.info/politics/1924709-ukraine-to-block-russia-propagandist-media-social-networks-for-three-years.html, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

[2] Krasnikov, Denys (2017): Popular Russian websites Vkontakte, Yandex, Odnoklassniki to be blocked in Ukraine. In: KyivPost, 16.05.2017. Online verfügbar unter https://www.kyivpost.com/technology/popular-russian-websites-vkontakte-yandex-odnoklassniki-blocked-ukraine.html, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

[3] Vsevolod Nekrasov (2017): Novyj front ili put‘ k censure: Počemu Porošenko blokiruet socseti Rossii. In: Ėkonomičeskaja Pravda , 17.05.2017. Online verfügbar unter (http://www.epravda.com.ua/rus/publications/2017/05/17/624908/, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

[4] Sidorenko, Sergej (2017): Svoboda clova ili bezopasnost‘: Kak razdelilas‘ Evropa po voprosu zapreta socsetej i „Jandeksa“. In: Evropejskaja Pravda, 17.05.2017. Online verfügbar unter (http://www.eurointegration.com.ua/rus/articles/2017/05/17/7065829/, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

Ukrainskaja Pravda (2017): Net Kontakt! Sankcii potiv 1S, Vkontakte, mail.ru i drugich. Reakcija socsetej. In: Ukrainskaja Pravda, 16.05.2017. Onlien verfügbar unter http://www.pravda.com.ua/rus/articles/2017/05/16/7144056/, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

[5] Argumenty i fakty (2017): V “Jandekse”, “Mail.Ru”, “VKontakte” I “Odnoklassnikach” otreagirovali na rešenie o zaprete v Ukraine. In: Argumenty i fakty, 16.05.2017. Online verfügbar unter http://fakty.ua/236124-v-yandekse-mail-ru-vkontakte-i-odnoklassnikah-otreagirovali-na-reshenie-o-zaprete-v-ukraine, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

Argumenty i fakty (2017): Rossija obečšaet kontrsankcii na zapret “Odnoklassnikov” i “VKontakte“. In: Argumenty i fakty, 16.05.2017. Online verfügbar unter http://fakty.ua/236117-rossiya-obecshaet-kontrsankcii-na-zapret-odnoklassnikov-i-vkontakte, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

Argumenty i fakty (2017): Porošenko zakryl svoi ctranicy v “Odnoklassniki” i “Vkontakte”. In: Argumenty i fakty, 16.05.2017. Online verfügbar unter http://fakty.ua/236114-poroshenko-zakryl-svoi-stranicy-v-odnoklassnikah-i-vkontakte, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

Argumenty i fakty (2017): V policii sčitajut, čto bez „VKontakte“ im stanet rabotat‘ nemnogo legče. In: Argumenty i fakty, 17.05.2017. Online verfügbar unter http://fakty.ua/236224-v-policii-schitayut-chto-bez-vkontakte-im-stanet-rabotat-nemnogo-legche, zuletzt geprüft am 20.05.2017.

J. Lorenzi

Jakob Lorenzi hat zwei Bachelor in Slawistik und in Politikwissenschaft. Derzeit studiert er an der Leopold Franzens Universität Innsbruck im Master Europäische und Internationale Politik und im Magister Rechtswissenschaften. Durch seine zahlreichen Aufenthalte und Praktika in Kursk, Moskau, Krasnodar, Jakutsk oder Kiew konzentriert er sich in seinen Analysen und Beiträgen auf die Staaten Belarus und Ukraine.

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