Die Schlachten um Ostpreußen und Königsberg

Die Schlachten um Ostpreußen und Königsberg

Die Schlachten um Ostpreußen und Königsberg

Im folgenden Artikel werden die Schlachten um Ostpreußen und Königsberg während des Zweiten Weltkriegs und ihre Folgewirkungen bis hinein in die Gegenwart skizziert. Zunächst wird der Verlauf der Schlachten in einer chronologischen Abfolge geschildert, anschließend werden die Reaktionen der Deutschen und der Polen beleuchtet. Beide Schlachten stehen im Kontext des Zweiten Weltkriegs. Diesem Zusammenhang trägt dieser Artikel Rechnung, der auch auf die geschichtlichen Hintergründe Ostpreußens und Königsbergs eingeht. Aus mittelosteuropäischer Sicht wird auch das gesellschaftliche Leben nach dem 2. Weltkrieg beschrieben. Darüber hinaus liegt der Fokus auch auf dem Zerfall der Sowjetunion und seinen Konsequenzen für Ostpreußen. Wie sieht es heute aus? Dieser Artikel fasst auch die verschiedenen Haltungen in der zeitgenössischen Politik zusammen.

Die Schlacht um Ostpreußen fand in der Schlacht um Königsberg ihren Höhepunkt. Das Deutsche Reich führte gegen die Sowjetunion Krieg. Circa 50.000 deutsche Soldaten standen 120.000 sowjetischen gegenüber. Nach nur vier Tagen des Gefechts kam es zu einem sowjetischen Sieg. Hintergrund der Schlachten waren die Ausdehnung des Deutschen Reiches unter Adolf Hitler in Zeiten des Nationalsozialismus und der Widerstand der Sowjetunion. Die Rote Armee hatte das Ziel, die Ostgrenze des Deutschen Reiches zu durchbrechen und der Weg dorthin führte zunächst durch Ostpreußen. Die Schlacht dauerte vom 13. Januar bis zum 25. April 1945 und folgte auf den Einmarsch sowjetischer Truppen ins Memelland. Im Verlauf der Schlacht kam es zu Kriegsverbrechen von sowjetischer Seite, wie dem Massaker von Metgethen. Am 9. April 1945 kam es zur Kapitulation der Stadt Königsberg unter ihrem Kommandanten Otto Lasch.

1944 standen sich sowjetische Truppen und die Wehrmacht an der Ostgrenze des Deutschen Reiches gegenüber. Ab dem Herbst 1944 stießen sowjetische Truppen immer wieder über die Grenze vor, konnten jedoch abgewehrt werden. Ein deutscher Gegenstoß für Frühjahr 1945 war geplant, Gauleiter Erich Koch verzichtete daher auf eine Evakuierung. Die Sowjets setzten im Winter zum Vorstoß über. Bei Temperaturen von bis zu -20 Grad musste sich die deutsche Wehrmacht verteidigen. Im Verlauf der Schlacht kam es zum Kessel von Heiligenbeil, wo sich deutsche Soldaten aufs zugefrorene frische Haff zu retten versuchten, von wo aus sie eine Landzunge in der Ostsee zu erreichen versuchten. Das frische Haff ist eine 25 Kilometer lange Bucht, und es gab zahlreiche Ertrinkende, wenngleich es vielen gelang, nach Norddeutschland oder mit zur Hilfe entsandten Schiffen nach Dänemark zu fliehen. Die Schlacht um Königsberg fand zwischen dem 6. und dem 9. April 1945 statt.

Ausgangspunkt war der Sturmangriff der Sowjets am 6. April. Die Schlacht war eine sowjetische Militäroperation mit dem Ziel der Eroberung Königsbergs. Sowjetische Truppen näherten sich Königsberg, als Kommandant Otto Lasch seinem Gauleiter Erich Koch Gehorsam leistete und, trotz zahlenmäßiger militärische Unterlegenheit, entschied, Königsberg mit Mann und Maus zu verteidigen. Den 250.000 sowjetischen Soldaten gelang es, die deutschen Truppen von zwei Seiten aus anzugreifen. Es wurden dafür schwere Artillerie, Panzer und Sturmgeschütze eingesetzt. Zehntausende Soldaten und Zivilisten fielen auf beiden Seiten. Gauleiter Koch verbat Lasch in der trostlosen Lage, zu kapitulieren.

Als dieser wenig später dennoch der Roten Armee die Kapitulation unterbreitete, teilte Koch dies Hitler mit, wodurch Lasch zum Tode verurteilt wurde. Die sowjetischen Truppen nahmen Königsberg ein, Stalin konnte somit seinem ehemaligen Vertrauten Hitler eine entscheidende Niederlage beibringen. Während der nördliche Teil Ostpreußens von der Sowjetunion annektiert wurde und der südliche Teil von den Siegermächten Polen zugesprochen wurde, flohen 1,4 Millionen Ostpreußen im Januar 1945 in Richtung Westen. Die Flucht wurde dadurch verzögert, dass die Gauleiter und Kommandanten Durchhalteparolen brachten und die Bevölkerung beschwichtigten. Dabei kam es zu über 300.000 Todesopfern. Viele der Heimatvertriebenen waren auf Pferdewagen unterwegs. Jedoch schafften es häufig weder Mensch noch Tier, den eisigen Temperaturen zu trotzen. Viele Familien flohen ins Rheinland, während die Sowjets die Dörfer niederbrannten und keinen Stein auf dem anderen ließen. Die Flüchtlingsströme wurden teilweise von der Roten Armee überrannt, weil sie schlicht nicht schnell genug fliehen konnten. Deutsche wurden von den Sowjets nach Russland deportiert oder gleich getötet. Die Vertriebenen suchten in Deutschland eine neue Heimat, Schutz und Sicherheit. Die vom Krieg gebeutelten Deutschen sahen ihre neuen, ebenso deutschen, Nachbarn aber in vielen Fällen als Belastung an, hatten sie doch selbst kaum das Nötigste zum Überleben. So kam es zum sozialen Abstieg der Flüchtlinge, die das Deutschland der Stunde Null erlebten.

Von 110.000 kapitulierenden Zivilisten überlebten gerade einmal 15.000. Die Massenvergewaltigungen, Tötungen und Folterungen der Roten Armee, die eigentlich als Befreier von vielen herbeigesehnt wurden, blieben in deutlicher Erinnerung. Die russische Geschichtsschreibung heroisierte zumeist die Rotarmisten, allerdings kam es in vergangenen Jahrzehnten zu einem Wandel in der Wahrnehmung. Ostpreußen wurde in Oblast Kaliningrad umbenannt und wurde als Exklave der Sowjetunion zugeordnet. Der südliche Teil Ostpreußens wurde gemäß dem Potsdamer Abkommen Polen zugeordnet. Das Memelland wurde litauisch. Der Hafen von Königsberg stellte fortan den einzigen ständig eisfreien Zugang der Sowjetunion zur Ostsee dar und hatte somit eine herausragende wirtschaftliche und strategische Bedeutung. Polen konnte keine weiteren Ansprüche auf das Gebiet vermelden, da Ostpreußen vor der ersten polnischen Teilung von 1772 nicht zu Polen, sondern zu Deutschland bzw. zum Herzogtum Preußen gehörte. Durch den Zwei-Plus-Vier-Vertrag wurden nach dem Mauerfall die Ostgebiete auch völkerrechtlich abgetrennt. Zudem wurde die Oder-Neiße-Grenze festgeschrieben. Im Anschluss kam es zu einem Grenzvertrag zwischen Deutschland und Polen.

Ostpreußen gehört heute zu Russland, Polen und Litauen. Während das Memelland Litauen gehört, ist die “Kaliningradskaja Oblast” eine russische Exklave und der südliche Teil Ostpreußens ist polnisch.

 

QUELLEN:

Planet Wissen: Flucht und Vertreibung, https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/flucht_und_vertreibung/index.html.

Spiegel Online (25.01.2015): Weltkriegsende in Ostpreußen, http://www.spiegel.de/einestages/2-weltkrieg-flucht-aus-ostpreussen-1945-a-1013898.html.

WELT (06.04.2015): 81 Stunden währte der sinnlose Kampf um Königsberg, https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article139067936/81-Stunden-waehrte-der-sinnlose-Kampf-um-Koenigsberg.html.

Wikipedia: Ostpreußische Operation, https://de.wikipedia.org/wiki/Ostpreu%C3%9Fische_Operation.

F. Stallbaum

Finn Stallbaum studiert im Master „Internationale Beziehungen“ in Budapest. Zuvor hat er ein wirtschaftliches Bachelorstudium in Paderborn in Deutschland absolviert. Er sammelte Auslandserfahrung in Finnland und nahm an zahlreichen Konferenzen der Model United Nations teil. Zu seinen Interessensgebieten gehören Diplomatie und internationale Zusammenarbeit.

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