Übersetzung von Aleksander Janollari
Im Speisesaal des Franziskanerklosters sprach niemand ein Wort. Es war, als wäre ein Mitglied unserer Familie gestorben. Ich hatte das Gefühl, dass mich die anderen von Zeit zu Zeit verstohlen ansahen. Schweigend. Nach dem Abendessen rief mich Pater Mati Prendushi beiseite und fragte:
„Du hast doch die Schlüssel zum Glockenturm?“
„Ja. Pater Filipi hat sie mir gegeben, damit ich die Uhr aufziehe.“
„Hast du die jugoslawische Fahne gehisst?“
„Nein, keineswegs. Zwei Partisanen kamen und hissten sie selbst.“
„Weißt du“, sagte er, „dass genau an diesem Ort am 12. Juni 1913 zum ersten Mal in Shkodra die Fahne Skanderbegs gehisst wurde und dass die Franziskaner sie mit der Waffe in der Hand verteidigten? Weißt du, dass Pater Gjergj Fishta wegen eben dieser Fahne zum Tode verurteilt wurde? Weißt du, dass selbst die Montenegriner, als sie 1915 in Shkodra einmarschierten, es nicht wagten, diese Fahne herunterzuholen? Weißt du das…?“
„Pater“, antwortete ich, „das alles weiß ich. Diejenigen, die heute dort oben die jugoslawische Fahne hissten, waren zwei bewaffnete Partisanen. Sie handelten auf Befehl ihres Kommandos. Was hätte ich tun sollen? Mich von ihnen erschießen lassen?“
„Nein, nein, ich will dir keine Schuld geben. Aber ach, welch tiefe Schande! Wäre mir doch dieser Tag erspart geblieben! Dass ich noch erleben musste, wie eine jugoslawische Fahne über dem Glockenturm unserer Kirche flattert… O Gott, sieh herab und richte! Die Gottlosen haben nur ihren Bauch als Gott! Was sagten sie? Hat es ihnen Eindruck gemacht, und wie haben sie sich gefühlt, als sie die jugoslawische Fahne hissten?
,,Sie sagten lediglich, sie führten den Befehl des Kommandos aus. Außerdem sprachen sie untereinander davon, dass sie oben im Glockenturm ein Maschinengewehr aufstellen wollten.“
„Ein Maschinengewehr?“
„Ja. Sie meinten, von dort oben könne man die ganze Stadt beherrschen.“
Aus dem Memoirenwerk von Pater Zef Pllumi ,,Rrno vetëm për me tregue‘‘.