Übersetzung von Aleksander Janollari
Ich bekreuzige mich. An der gegenüberliegenden Wand blicken mich die traurigen, engelhaften Augen der Heiligen Maria an. Wände, bespritzt mit getrocknetem Blut. Wände, bespritzt mit frischem noch nicht richtig getrocknetem Blut. Mit dem frischen Blut der Folter.
„O Gott, warum hier, in Deinem Hause?“
Doch nun war alles zu Ende. Das Urteil war gesprochen: Erschießung!
Als die Hähne zum dritten Mal krähten, kamen sie und holten uns. Sie führten uns hinaus aus der Stadt. Auf ein Ödland. Insgesamt waren wir zwölf Verurteilte. Jeweils zu zweit gefesselt. Gute Menschen. Gebildete Menschen. Gute Patrioten. Eine geschulte kriminelle Hand, mit langjähriger antialbanischer Erfahrung, scheint uns sorgfältig ausgewählt zu haben.
Der Unteroffizier schaltete die Scheinwerfer ein.
„Du, der reaktionäre Priester, Pater Gjergj Suli, tritt aus der Reihe!“, sagte er. „Du wirst als Letzter erschossen. Du musst alle segnen, bevor sie, von dir losgesprochen, in die andere Welt hinabsteigen.“
Das Erschießungskommando gegenüber. Das Klappern der Verschlüsse. Aber das letzte Wort? Etwas, das man jemandem hinterlassen wollte? Irgendein Auftrag ? Irgendein Vermächtnis ? Auch ich wollte ein Vermächtnis hinterlassen. Denn ich würde rein vor Gott und meinem Volk erscheinen. Ohne den Makel des Verrats, mit dem mich die blutige Justiz der Kommunisten befleckt hatte. Doch die Kugeln waren schneller als die Vermächtnisse. Die Reihe wurde schräg niedergemäht. Der Leutnant in seinen Lederstiefeln drehte sie auf den Rücken. Der Arzt beugte sich hinunter, um am Ende der Agonie den Tod zu bestätigen. „Das sind die letzten Bilder, die ich von dieser Erde mitnehme, der ich mit meiner Seele, mit Liedern, Versen und Gebeten gedient habe.“
Der Leutnant packt mich am Kragen meiner Soutane. Im Licht der Scheinwerfer setzt er mir den Revolver an die Schläfe und sagt:
„Ich habe nichts Persönliches gegen Sie, Pater. Es ist einfach eine Frage des Dienstes …“
Dann fügt er hinzu, während er sein Lachen unter der Nase unterdrückt und die Mündung des Revolvers weiterhin an meine Schläfe hält:
„Sie verstehen das, ehrwürdiger Pater, und ich bin sicher, dass Sie für mich beten werden … in der anderen Welt!“
Natürlich, mein Henker musste mich daran nicht erinnern. Ich würde beten … Aber warum musste er so hämisch grinsen? Der donnernde Schuss des Revolvers lenkte mich ab. Dann begann sich alles langsam aufzuhellen, zusammen mit dem Gefühl der Erleichterung von der Last des Irdischen.
Aus dem Buch «Kur këndonin gjelat e tretë» von Agron Tufa