Aleksander Janollari
Agron Tufa (*1967) ist ein albanischer Schriftsteller, Dichter und Übersetzer. Nach seinem Literaturstudium in Tirana setzte er seine Ausbildung in Moskau am Gorki-Institut sowie im Bereich Kunstphilosophie und Übersetzungstheorie fort. Neben seinem eigenen literarischen Werk ist er insbesondere auch als Übersetzer russischer Literatur ins Albanische hervorgetreten. Tufa erhielt mehrere nationale und internationale Literaturpreise und war zudem am Institut für das Studium der Verbrechen und Folgen des Kommunismus in Albanien tätig. Zurzeit lebt er in der Schweiz.
Sein 2019 erschienenes Buch Kur këndonin gjelat e tretë („Als die Hähne zum dritten Mal krähten“) versammelt kurze literarische Prosatexte über Menschen, die während der kommunistischen Diktatur in Albanien zu Opfern von Verfolgung, Internierung, Gefängnis und staatlicher Gewalt wurden. Die Texte greifen dabei unterschiedliche Stimmen, Erinnerungen und Situationen auf und führen den Leser unmittelbar in die letzten Augenblicke von Menschen, die mit Tod und Gewalt konfrontiert waren. Das Buch gibt damit den Opfern und ihren Erfahrungen eine literarische Stimme und macht die menschliche Dimension der kommunistischen Repression sichtbar.
Die ausgewählten Texte vermitteln die Geschichte der kommunistischen Diktatur in Albanien nicht ausschliesslich aus einer historischen oder politischen Perspektive, sondern anhand persönlicher Schicksale und literarisch verdichteter Erfahrungen. Gerade diese Perspektive könnte auch für deutschsprachige Leserinnen und Leser von besonderem Interesse sein.