Ein Rückblick auf die albanischen Proteste gegen die Aufnahme von Chemiewaffen

Ein Rückblick auf die albanischen Proteste gegen die Aufnahme von Chemiewaffen

Ein Rückblick auf die albanischen Proteste gegen die Aufnahme von Chemiewaffen

Die Bereitwilligkeit der albanischen Regierung, die Handhabung und Demontage (durch einen Hydrolysen-Prozess) von syrischen Chemiewaffen in Albanien zu ermöglichen, wurde von einer kraftvollen Reaktion von Teilen der albanischen Bevölkerung im November 2013 begleitet.

Die Vernichtung von chemischen Waffen des syrischen Regimes von Bashar Al Assad war ein fortdauernder Prozess, welcher mit erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen im September 2013 begonnen hatte. Die Grundlage und Einleitung für eine Entscheidung im UN-Sicherheitsrat wurde Mitte September, mit dem sogenannten Agreement for the elimination of Syrian chemical weapons, gelegt. Die daraus folgende Resolution 2118 bestimmt, dass Syrien sich verpflichtet, sein Chemiewaffen-Arsenal und seine Rüstungseinrichtungen in diesem Bereich – nach einer vorbestimmten Phase – zu vernichten, bzw. stillzulegen.

Es stellte sich mit der Zeit dabei heraus, dass dieses Arsenal an Chemiewaffen (1300 Tonnen) das Drittgrösste der Welt, nach den USA, Russland und China, war.

Im Oktober 2013 wurde noch Albanien, Belgien, Norwegen und Frankreich als Länder betrachtet, welche bereit schienen mitzuhelfen, diese syrischen Chemiewaffen aufzunehmen, um sie zu vernichten (1). Doch schlussendlich blieb nur Albanien als Option übrig.

Unter der albanischen Bevölkerung wurde der Fall erst richtig bekannt, als sich die internationale Presse auf das Thema stürzte. Das brachte dann richtig Bewegung in die Sache. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Albanien, von ein paar Analysten, als Land gesehen wurde, dass nicht die angemessenen Möglichkeiten und technischen Ausstattungen innehat, welche von Nöten wären, um solch eine Operation durchzuführen. Die Bevölkerung befürchtete nun, dass ihre eigene intransparente Regierung  eine Lagerung und Vernichtung solcher Waffen durchwinken könnte und das ohne Berücksichtigung der gesundheitlichen Gefahren. Folglich kam es zu intensiven Protesten auf den Strassen, welche mitunter von den Sozialen Medien mobilisiert wurden.

Die erste Protestwelle ging am 7. November los, als eine albanische Umweltgruppe vor dem albanischen Ministerpräsidenten, gegen das Verhalten der Regierung in Bezug zu den Chemiewaffen, in Mjekës (Shirgjan/ Elbasan) protestierten. Auch am 9. November wurde ein Protest organisiert, der an die gewaltlose Art Gandhis erinnerte. Am 12. November kam es dann aber schlussendlich zu einer Massendemonstration vor dem Ministerpräsidentenamt und vor der amerikanischen Botschaft. Der Höhepunkt der Proteste wurde am 14. November erreicht, an dem hunderte von Menschen (Studenten, Lehrer, Ärzte, Mütter, etc.) mit Slogans wie "Keine Chemiewaffen", "Albanien ist unser" oder "JA, wir können NEIN sagen" skandierten. Sie versammelten sich vor dem Parlament in der Hauptstadt Tirana. Die Protesten dehnten sich zudem auf andere Städte in Albanien aus, wie z.B. in Elbasan, Vlora, Korca, Saranda, Lezha Shkodra, Kukës, usw.

Während es in den Nachbarländern wohlwollende Reaktionen zu den Protesten in Albanien gab, lehnte es die albanische Regierung ab, eine Entscheidung zu Gunsten der Proteste zu treffen (2).

Die ganze Protestaktion wurde als gut-organisiert und patriotisch angesehen. Die Menschen haben sich zu einer Menge versammelt, die sich mit Stolz für ein sauberes und touristenfreudliches Land engagierten. Die Menschen haben sich ohne zu zögern, leidenschaftlich auf die Strassen begeben und sich auch gegen Politiker gestellt, die sich mit den Protesten profilieren versuchten. Es war eine Bewegung des „Souveräns“ - dem Volk.

Die Proteste dauerten die ganze Nacht des 14. November und des darauffolgenden Tages an. Am 15. November gab schlussendlich der Ministerpräsidenten Rama, über eine Pressekonferenz, die Entscheidung bekannt, dass Albanien die syrischen Chemiewaffen nicht aufnehmen wird, um sie zu zerstören (3). Die Leute auf den Strassen nahmen diesen Erfolg mit Freude zur Kenntnis und feierten einige Stunden im Freien weiter.

  1. Le Monde - Washington presse l'Albanie d'accueillir pour destruction l'arsenal chimique syrien. Le Monde
  2. http://top-channel.tv/artikull.php?id=267494&ref=ml
  3. http://www.oranews.tv/vendi/armet-e-sirise-rama-pritet-te-shpreh-sot-qendrimin-e-qeverise

Bildquelle: http://www.timesofisrael.com/albania-rejects-request-to-destroy-syrian-weapons/

E. Rada

Elisabeta Rada hat die Schule in ihrer Heimatstadt Krumë-Has, Albanien abgeschlossen. Im Jahre 2016 machte sie ihren Abschluss in Politikwissenschaften an der Universität Tirana. Während des Studiums nahm sie an zahlreichen politischen Projekten, Konferenzen und wissenschaftlichen Ausbildungen teil, um an schlüssigen Schritten für die Entwicklungen in Albanien und der Region zu arbeiten. Derzeit studiert sie ein Masterprogramm in "Regional Political Studies" an der Universität Tirana.

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