"Für mich war die Slowakei ein unbekanntes Land"

"Für mich war die Slowakei ein unbekanntes Land"

„Für mich war die Slowakei ein unbekanntes Land“

Alles begann an einem 25. September. Ich fuhr mit dem Bus aus Kosovo über Serbien nach Ungarn und danach nach Österreich. Die Reise ging ca. 12 Stunden bis ich in Wien um 09:00 Uhr angekommen bin. Von dort aus musste ich nochmals umsteigen, damit ich mit dem Bus nach Bratislava gelangte.

Für mich war die Slowakei ein unbekanntes Land, und dass war sicher auch der Tatsache geschuldet, dass ich das erste Mal aus dem Balkan reiste. Es war alles für mich neu. Die Slowakei gab mir zunächst den Eindruck, dass ich in einem typischen kommunistischen Land aufgrund der Architektur, vor allem im Busbahnhof, bin. Das Stadtzentrum war dann ein bisschen anders. Die Straßen, die Geschäfte und die klassischen Gebäude, kombiniert mit dem modernen Trend der Architektur, verleihen der Altstadt einen einzigartigen Charme.

Der erste Kontakt, den ich mit Slowaken hatte, war gut. Sie schienen mir gleich nette Leute zu sein, obwohl die Konversation nur kurz war, weil ich sie nur nach der Adresse meines Schlafsaals fragte. Ich wohnte mit anderen internationalen Studenten in meinem Zimmer zusammen. Wir waren zu dritt und die beiden anderen waren zwei Kroaten. Wir teilten uns das Bad und die Toilette und einen kleinen Korridor mit drei Makedoniern (Mazedoniern). Es war so etwas, wie eine Balkan-Gruppe, die hier zusammengekommen war. Die nächsten Tage musste ich in die Sprachschule gehen. Das erste Treffen mit dem Sprachlehrer war okay, nur das Problem war, dass ich nicht wirklich gut Slowakisch sprechen konnte, also hatte ich manchmal Probleme, alles richtig zu verstehen.

Am nächsten Tag ging meine Sprachschule richtig los, die schlussendlich 9 Monate dauerte. Während dieser Periode wurde ich immer wieder konfrontiert mit Diskussionen zu einigen verschiedenen Themen, wie Jugoslawien, dem Krieg in Kosovo, den Muslimen und Albanern und so weiter und so fort. Die meisten von diesen Diskussionen waren völlig mit Vorurteilen behaftet.

Lokale Bürger, die noch nie im Balkan waren, fragten mich, wie sicher es im Kosovo und wie es generell in Jugoslawien sei. Es kam einem vor, als wüssten sie teilweise gar nicht, dass Jugoslawien nicht mehr existiere. Andere Leute begannen gleich Serbisch mit mir zu sprechen, als ich ihnen sagte, dass ich aus Kosovo stamme, weil sie vermutlich automatisch dachten, dass im Kosovo serbisch gesprochen wird.

Gewisse Situationen wurden manchmal unangenehm, sobald über den Krieg im Kosovo gesprochen wurde. Ich stand dem gegenüber und hörte die Leute darüber reden. Es war manchmal seltsam und ließ mich darüber nachdenken, wie die Propaganda funktioniert.

Obwohl ich heute an diese Art von Fragen und Debatten gewöhnt bin, muss ich sagen, dass es sich immer noch sehr unwohl anfühlt, besonders wenn man ihnen sagt, dass ein Albaner aus Kosovo nicht automatisch mit der Mafia zu verknüpfen ist, obwohl solche mafiösen Situationen in Kosovo vorkommen.

Alles im allem haben das Leben und die Erfahrungen, die ich in der Slowakei machte und immer noch mache, mich dazu veranlasst, einige Dinge zu verstehen, die ich nicht über diesen Teil Europas und auch die Perspektiven über den Balkan und die EU wusste. Ich freue mich jedenfalls weiter auf neue Eindrücke.

Fitim Tmava

Fitim Tmava, geboren in Mitrovica (Kosovo) hat einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaften und beendete den Master in Public Policy an der Universität für Öffentliche Politik an der Universität Bratislava. Während seines Studiums war er an verschiedenen Aktivitäten und sozialen Initiativen in Diskussionskonferenzen beteiligt. Er war auch Teil der AISEC Slowakei und hilft von Zeit zu Zeit der Botschaft von Albanien in Bratislava bei der Organisation von Veranstaltungen mit.

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