Estland als Startup-Hub für Europa?

Estland als Startup-Hub für Europa?

Estland als Startup-Hub für Europa?

Estland ist nicht nur der nördlichste der drei baltischen Staaten - nein, es ist auch das Technologiezentrum der Region. So findet 2017 der Startup Nations Summit in Tallinn statt. Das estnische Aushängeschild ist der Internet-Telefondienst Skype, das mit Sicherheit das bekannteste der zahlreichen Startups ist. Umso erstaunlicher ist Estlands vielfältige Startup-Kultur, wenn man bedenkt, dass das Land nur 1,3 Millionen Einwohner hat.

Das “Silicon Valley” Europas

Dass Estland mittlerweile nicht nur von Spiegel Online als das Silicon Valley Europas bezeichnet wird, hat man nicht nur Skype sondern auch der neu entstandenen Gruppe “Startup Estonia” zu verdanken. Diese sorgen für geeignete Rahmenbedingungen für Firmengründer und für ein breites Netzwerk an Investoren und Unterstützern für die Jungunternehmer.

Startup Estonia möchte die Anzahl der in Estland ansässigen Startups in den kommenden vier Jahren von 450 auf über 1000 anheben. Nach eigenen Angaben will sich die Firma daraufhin auflösen, weil dann der Zweck der Organisation erfüllt sei.

Estland hat einen gewaltigen Sprung gemacht - als Teil der ehemaligen Sowjetunion hat es eine Lücke entdeckt, die das Land unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten einzigartig macht und von den Nachbarstaaten abhebt. Langfristig wird Estland vermutlich zahlreiche Startup-Gründer anziehen, die das Wirtschaftswachstum des Landes ankurbeln, was letztendlich auch der lokalen Bevölkerung zugute kommt.

Transferwise

Mit 600 Mitarbeitern ist “Transferwise” das größte in Estland ansässige Startup nach Skype. Es bietet Peer-to-Peer-Finanzdienstleistungen an. Das Unternehmen wirbt damit, versteckte Kosten zu vermeiden, die bei herkömmlichen Auslandsgebühren anfallen. Außerdem wurde Transferwise von den Skype-Entwicklern auf die Beine gestellt, die es somit geschafft haben, ein Geschäftsmodell branchenübergreifend erfolgreich zu machen. Der Wert der Firma beträgt über 110 Millionen Euro.

Im Rahmen der EU bietet sich für Estland natürlich die Chance, eine Nische zu besetzen, die dem baltischen Mitgliedstaat Verhandlungsmacht zuteilwerden lässt. Auch gegenüber dem übermächtigen Nachbarn Russland hat man zumindest technologisch aufgeholt. Es bleibt natürlich abzuwarten, inwieweit der Startup-Boom von Dauer sein kann, zumal Skype und Transferwise die bisher einzigen wirklich großen, über die Landesgrenzen bekannten Startups sind. Nichtsdestotrotz hat sich Estland auch wegen des Verzichts auf eine Körperschaftssteuer einen Namen in der Startup-Welt gemacht. Allgemein sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen im baltischen Kleinstaat ausgezeichnet. Estland ist zweifellos aktuell eines der technologischen Zugpferde Europas.

F. Stallbaum

Finn Stallbaum studiert im Master „Internationale Beziehungen“ in Budapest. Zuvor hat er ein wirtschaftliches Bachelorstudium in Paderborn in Deutschland absolviert. Er sammelte Auslandserfahrung in Finnland und nahm an zahlreichen Konferenzen der Model United Nations teil. Zu seinen Interessensgebieten gehören Diplomatie und internationale Zusammenarbeit.

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