Grenzenlos konfliktreich

Grenzenlos konfliktreich

Grenzenlos konfliktreich

Die verschiedenen Auffassungen, wo denn die Grenze eines Landes ende, brachten in Vergangenheit viele Konflikte, im schlimmsten Fall auch Kriege, mit sich. Im aktuellen Dossier widmet sich das Forum für Mittelost- und Südosteuropa einiger dieser Grenzstreitigkeiten um ein breiteres Verständnis dafür zu schaffen, über welche Gebiete früher beziehungsweise jetzt gestritten wird und wie eine Lösung erarbeitet wird beziehungsweise versucht wird, zu erarbeiten. Die verschiedenen Thematiken, die hier von einer Reihe junger Wissenschaftlerinnen erarbeitet wurden, variieren dabei sowohl in der Herangehensweise, als auch in Blickwinkel und geografischem Fokus.

So widmet sich Elsa Pacella in ihrem Artikel dem deutsch-tschechischen Konflikt um das Sudetenland, welches den Deutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges genommen wurde und erst in der ersten Hälfte der 80er-Jahre gelöst werden konnte. Auch Anastasiia Zhuravlova widmet sich in ihrer Analyse Tschechien, aber in Form der friedlichen Auflösung der Tschechoslowakei. Sie betont dabei das Charakteristikum, dass die Teilung durchwegs friedlich vonstattenging und die heute freundlichen Beziehungen beider Länder als Teil der EU und der NATO. Finn Stallbaum legt in seiner Thematik – der Annexion Ostpreussens – den Fokus auf den Vorgang der Aneignung. So wird auf die Schlacht um Königsberg eingegangen und somit dem Leser die heutige Gebietssituation historisch aufgezeigt.

Im selben Gebiet ist auch jener Konflikt situiert, den Eva Zeis in ihrem Artikel „Polnisch-Litauische Gebietsstreitigkeiten“ behandelt. Ausgehend von der heute litauischen Stadt Vilnius erklärt Zeis, was für Interesse in der Region vorherrschten, wie sich diese im Krieg festigten – und klärten – und welch neue Herausforderung beziehungsweise Bedrohung heute, besonders in Bezug auf die Suwalki-Region zu beachten ist. Lume Hyseini schärft in seinem Artikel dem Leser den Blick auf Mazedonien. Der Fokus liegt dabei aber nicht wie in den anderen Fällen auf einer territorialen Streitigkeit, sondern vielmehr auf dem Namensstreit, zu welchem sich unlängst Neuerungen ergeben haben. Martina Plantak analysiert abschließend den sehr aktuellen Streit um die Meeresgrenzen von Slowenien und Kroatien.

Diese Auflistung zeigt, dass es genügend Beispiele verschiedener Konflikte und besonders unterschiedlicher Betrachtung dieser Konflikte gibt. Was aus einer eingehenden Lektüre aber vor allem gewonnen werden kann, sind Musterbeispiele, wie sich Konflikte zuspitzen, aber auch wie sich Streitigkeiten lösen können.

J. Lorenzi

Jakob Lorenzi hat zwei Bachelor in Slawistik und in Politikwissenschaft. Derzeit studiert er an der Leopold Franzens Universität Innsbruck im Master Europäische und Internationale Politik und im Magister Rechtswissenschaften. Durch seine zahlreichen Aufenthalte und Praktika in Kursk, Moskau, Krasnodar, Jakutsk oder Kiew konzentriert er sich in seinen Analysen und Beiträgen auf die Staaten Belarus und Ukraine.

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